Dienstag, 24. März

Musig vom Tag

Matías Lanz spielt auf dem Cembalo  „L’Entretien des Muses“ von  Jean-Philippe Rameau (1683-1764)

Gschicht vom Tag

Blinder Glaube

Es war einmal ein Mann, der konnte seit seiner Geburt nichts sehen. Keine Blume, keine Wolke, keine Häuser und auch nicht die Sonne – er war nämlich blind. Obwohl er blind war, erledigte er trotzdem alles selber, ob es jetzt zum Einkaufen gehen war, oder ob er zur Bank ging um dort Geld abzuheben – alles machte er alleine.

 

An einem besonders schönen Tag, es war nämlich schön warm, wollte der blinde Mann seine Mutter besuchen, die ein paar Strassen weiter wohnte. So ging er bis zu einer vielbefahrenen Kreuzung. Dort blieb er stehen, weil er auf das Ampelsignal warten musste. Neben ihm stand ein sehender Mann. Da fragte der Blinde den Sehenden. „Sagen sie mal, glauben sie eigentlich, dass es Gott gibt?“ „Oh, nein!“ erwiderte der sehende Mann. „Ganz bestimmt nicht!“ „Warum nicht?“ fragte der Blinde. „Ich glaube nur an das was ich auch wirklich sehen kann, und Gott, nein Gott habe ich noch nie gesehen, also glaube ich nicht, dass es ihn wirklich gibt!“

„Oh!“ sagte der Blinde, wendete sich ab und lief geradewegs auf die Fahrbahn in den Verkehr. Im letzten Moment griff der Sehende nach seinem Arm und riss ihn zurück auf den Gehweg. „Sind sie verrückt? Sie können nicht einfach auf die Strasse laufen!“ „Aber,“ sagte der Blinde achselzuckend, „ich habe noch nie eine Kreuzung gesehen. Woher soll ich wissen, dass es sie wirklich gibt?“ „Na, die Autos!“ rief der Mann. Sie können doch die Autos hören, wie sie aus allen Richtungen kommen. Das ist doch der eindeutige Beweis für eine Kreuzung!“

„Ich habe noch nie Autos gesehen,“ sagte der Blinde. „Ich sage ihnen doch, hier ist eine Kreuzung, genau vor uns. Sie ist da. Das müssen sie mir einfach glauben!“ „Ja,“ sagte der Blinde leise und lächelte, „ich glaube, dass es Gott wirklich gibt. Wenn ich ihn schon nicht sehen kann, aber ich kann von seinen Wundern hören, die auch in der Bibel niedergeschrieben sind, denn hören kann ich nämlich sehr gut!“

 

Verfasser unbekannt