Donnerstag, 14. Mai

Heute aktuell: Wir sind eingeladen, jeden Donnerstag um 20.00 Uhr als Zeichen der Hoffnung eine Kerze vor das Fenster zu stellen

Um ein Zeichen der Hoffnung und der Verbundenheit zu setzen, rufen die Schweizer Bischofskonferenz SBK und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS in einer gemeinsamen Botschaft alle Menschen auf, jeweils donnerstags um 20 Uhr eine Kerze anzuzünden, sie sichtbar vor dem Fenster zu platzieren und etwas zu beten, z.B. ein Vaterunser: für die am Virus Erkrankten, für die im Gesundheitswesen Arbeitenden und für alle Menschen, die angesichts der aktuellen Lage zu vereinsamen drohen. «Für sie alle bitten wir um Gottes Beistand und drücken so unsere Verbundenheit mit ihnen aus», so Bischof Gmür. Ein Lichtermeer der Hoffnung soll sich so durch das ganze Land ziehen. «Kirche ist mehr als ein Haus – sie ist ein Auftrag, für einander zu sorgen, in der Bedrohung jetzt erst recht», sagt Gottfried Locher, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz.


Gschicht vom Tag

 

Die Geschichte vom weissen Kieselstein

 

Zwischen vielen Kieselsteinen liegt ein kleiner Stein. Eines Tages erwacht sein Selbstbewusstsein. Er realisiert, dass er einer unter unzählig vieler ist. Dies macht in traurig. Wie sehr beneidet er die Palme in der Nähe, die ihm jeden Tag eine Weile Schatten spendet. Allein und schön steht sie am Strand. Sie ist etwas ganz Besonderes.

 

Auch das Meer–ist es nicht bewundernswert? In ständiger Bewegung, und doch geheimnisvoll ruhig. Was ist er dagegen?

 

Ein unbeweglicher, kleiner, weißer Kieselstein, irgendwann an den Strand gespült, einer unter vielen. Er ist nicht einmal unter Seinesgleichen etwas Besonderes. Da gibt es große, schwere Steine, andere besitzen wunderschöne Farben und Muster.

 

Seine Traurigkeit wird noch größer. Wie gerne tauschte er mit dem Meer, mit den Vögeln in der Luft, mit den Sternen am Himmel. Was hilft ihm sein erwachtes Selbstbewusstsein, wenn es ihm nur zeigt, wie klein und unbedeutend er ist. Wenn er wenigstens ein paar schöne Farben hätte oder zumindest eine feine Faserung wie viele Steine in seiner Nähe…

 

Eines Nachts erwacht der Stein. Am Himmel strahlt der Vollmond und taucht den Strand in ein seltsames, zartes Licht. Plötzlich hört der weiße Kieselstein die leisen Stimmen zweier anderer Steine, deren Gespräch der Wind zu ihm trägt.

Er merkt, dass sie über ihn sprechen. Er lauscht aufmerksam damit ihm kein Wort entgeht.

„Schau mal, der Weiße dort. Sieht er nicht wunderschön aus im Vollmondlicht? Er ist mir noch nie aufgefallen. Er ist eine Schönheit, die sich nur in einem bestimmten Licht offenbart. Gegen sein leuchtendes Weiß wirken alle anderen Steine ganz blass. Ob er weiß, wie wunderschön er ist?“

Am liebsten würde der weiße Kieselstein vor Freude einen Sprung ins Meer machen.

„Er liegt da wie eine große Perle, eben und rund. Ich wäre gerne an seiner Stelle!“

Der Wind dreht sich und trägt die leisen Stimmen der beiden Steine in eine andere Richtung. Der weiße Kieselstein hat genug gehört. Er denkt eine Weile nach und begreift, den anderen Steinen geht es genauso wie ihm: Auch sie sehnen sich danach, anders zu sein. Gerade die beiden Steine, die so gut über ihn sprechen, hat er wegen ihrer Größe schon oft beneidet!

 

Vielleicht geht es ja auch der Palme so! Womöglich will sie lieber das Meer sein oder der Stern am Himmel. Und das Meer will am Ende lieber das Land sein. „Was ist es, was einen so unzufrieden mit sich selbst macht“, überlegt der weiße Kieselstein. Durch einen Zufall erfährt er, dass er, der einfache weiße Kieselstein, in einem bestimmten Licht schön und wunderbar anzuschauen ist. Das hat er nie für möglich gehalten. Gibt es da nicht vielleicht noch anderes an ihm, das er noch nicht entdeckt hat?

 

UND SO VERSUCHT DER WEISSE KIESELSTEIN ZUM ERSTEN MAL IN SEINEM LEBEN, MIT SICH SELBST EINVERSTANDEN ZU SEIN.

 

Mit der Zeit fühlt er sich immer wohler in seinem glatten weißen Körper. Sicher, er ist noch immer ein Stein unter unzähligen anderen, aber das stört ihn nicht mehr. Auch mit seiner Unbeweglichkeit findet er sich ab. Er liegt an einem bestimmten Ort und dort wird er immer liegen bleiben, allein vom starken Wind manchmal leicht bewegt. Da geht es ihm wie der Palme, wie dem Himmel und dem Meer.

Auch sie können den Ort ihres Daseins nicht verlassen. Sie sind keine Vögel. So muss es wohl sein. Er versteht. Seine Sehnsucht danach, mehr von der Welt zu sehen als diesen Strand, ist endgültig überwunden.

 

In der nächsten Vollmondnacht spaziert ein Paar den Strand entlang. Die junge Frau entdeckt den Kieselstein und sagt zu ihrem Begleiter: „Schau, wie er im Mondlicht leuchtet! Wie eine große Perle!“

Die Frau bückte sich, nimmt den weißen Kieselstein in die Hand und betrachtete ihn mit glänzenden Augen…

 

… DANN STECKT SIE IHN IN IHRE TASCHE…