Donnerstag, 2. April

Heute aktuell: Wir sind eingeladen, jeden Donnerstag um 20.00 Uhr als Zeichen der Hoffnung eine Kerze vor das Fenster zu stellen

Um ein Zeichen der Hoffnung und der Verbundenheit zu setzen, rufen die Schweizer Bischofskonferenz SBK und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS in einer gemeinsamen Botschaft alle Menschen auf, jeweils donnerstags um 20 Uhr eine Kerze anzuzünden, sie sichtbar vor dem Fenster zu platzieren und etwas zu beten, z.B. ein Vaterunser: für die am Virus Erkrankten, für die im Gesundheitswesen Arbeitenden und für alle Menschen, die angesichts der aktuellen Lage zu vereinsamen drohen. «Für sie alle bitten wir um Gottes Beistand und drücken so unsere Verbundenheit mit ihnen aus», so Bischof Gmür. Ein Lichtermeer der Hoffnung soll sich so durch das ganze Land ziehen. Die Aktion dauert bis Gründonnerstag. «Kirche ist mehr als ein Haus – sie ist ein Auftrag, für einander zu sorgen, in der Bedrohung jetzt erst recht», sagt Gottfried Locher, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz.

Gschicht vom Tag

Heinrich

Es war einmal ein kleiner Prinz. Wie viele Prinzen wohnte er in einem Schloss mitten in einem Park. Er hiess Heinrich.

Heinrich war sehr verwöhnt. Er bekam alles, was er sich wünschte. Aber er war trotzdem nicht glücklich. Er lachte nie, und er weinte nie. Seine Eltern, der König und die Königin, machten sich Sorgen. «Was fehlt dir denn?», fragten sie. Heinrich antwortete: «Ich habe alle Spielsachen, die es auf der Welt gibt. Was mir noch fehlt, ist ein Luftballon.» «Wenn es nichts weiter ist als das!» sagten der König und die Königin und schenkten dem kleinen Prinzen einen Luftballon.

Einen Tag lang vertrieb sich Heinrich die Zeit mit dem Luftballon. Er füllte ihn mit heisser Luft und schwebte damit über dem Schloss wie eine Wolke. Aber er lachte nie, und er weinte nie. Es war alles wie vorher.

Der König und die Königin machten sich Sorgen. «Was fehlt dir denn?», fragten sie. Heinrich antwortete: «Ich habe alle Spielsachen, die es auf der Welt gibt, und ich habe einen Luftballon. Was mir noch fehlt, ist ein Löwe in einem Käfig.» «Wenn es nichts weiter ist als das!» sagten der König und die Königin und schenkten dem kleinen Prinzen einen Löwen in einem Käfig. Einen Tag lang vertrieb sich Heinrich die Zeit mit dem Löwen im Käfig. Er neckte ihn mit einem Stecken und reichte ihm Fleischstücke durch das Gitter. Aber er lachte nie, und er weinte nie. Es war alles wie vorher.

Der König und die Königin machten sich Sorgen. «Was fehlt dir denn?», fragten sie. Heinrich antwortete: «Ich habe alle Spielsachen, die es auf der Welt gibt, ich habe einen Luftballon, und ich habe einen Löwen in einem Käfig. Was mir noch fehlt, ist ein Regiment Soldaten.» «Wenn es nichts weiter ist als das!» sagten der König und die Königin und schenkten dem kleinen Prinzen ein Regiment Soldaten.

Einen Tag lang vertrieb sich Heinrich die Zeit mit dem Regiment Soldaten. Er liess sie exerzieren und reiten und fechten und marschieren. Aber er lachte nie, und er weinte nie. Es war alles wie vorher.


Doch eines Tages begegnete der Prinz einem kleinen Jungen. Es war der Sohn des Schlossgärtners. Der sass vor dem Haus seiner Eltern und spielte mit seinem Kaninchen. Es schmiegte sich in seinen Arm. Er streichelte es und gab ihm Löwenzahnblätter zu essen. Der kleine Prinz betrachtete die beiden und dachte: Ich habe alle Spielsachen, die es auf der Welt gibt, ich habe einen Luftballon, und ich habe einen Löwen in einem Käfig, und ich habe ein Regiment Soldaten. Was mir noch fehlt, ist ein Kaninchen, das sich in meinen Arm schmiegt, das ich streicheln und dem ich Löwenzahnblätter geben kann.

«Gib mir dein Kaninchen», sagte Heinrich zu dem Jungen. «Nein», sagte der Junge, «ich kann dir das Kaninchen nicht geben.» Da kehrte der kleine Prinz ins Schloss zurück und sagte zum König und zur Königin: «Ich habe alle Spielsachen, die es auf der Welt gibt, ich habe einen Luftballon, und ich habe einen Löwen in einem Käfig, und ich habe ein Regiment Soldaten. Was mir noch fehlt, ist ein Kaninchen.» Wenn es nichts weiter ist als das!» sagten der König und die Königin und schenkten dem kleinen Prinzen ein Kaninchen.

Einen Tag lang vertrieb sich Heinrich die Zeit mit dem Kaninchen. Er nahm es auf den Arm, streichelte es und gab ihm Löwenzahnblätter zu essen. Aber er lachte nie, und er weinte nie. Es war alles wie früher. Was mir fehlt, dachte er, ist nicht irgendein Kaninchen, sondern das Kaninchen des Gärtnerjungen. Er lief in den Park zu dem Jungen und sagte zu ihm: «Gib mir dein Kaninchen, ich gebe dir alle meine Spielsachen und einen Luftballon dafür!» «Nein», sagte der Gärtnerjunge.

«Gib mir dein Kaninchen», sagte der Prinz noch einmal. «Ich gebe dir alle meine Spielsachen, einen Luftballon und einen Löwen im Käfig dafür!» «Nein», sagte der Gärtnerjunge. «Gib mir dein Kaninchen», sagte der Prinz zum letzten Mal. «Ich gebe dir alle meine Spielsachen, einen Luftballon, einen Löwen im Käfig und ein Regiment Soldaten dafür!» «Nein», sagte der Gärtnerjunge. Da wurde der Prinz traurig und weinte zum ersten Mal. Der Gärtnerjunge erschrak und sagte zu ihm: «Ich kann dir das Kaninchen nicht geben, weil ich es lieb habe, aber wir können zusammen mit ihm spielen.»

Sie spielten den ganzen Tag und waren glücklich, der kleine Prinz und der Gärtnerjunge, zusammen mit dem Kaninchen.

Der König und die Königin wunderten sich über den kleinen Prinzen und fragten ihn: «Was fehlt dir denn?»

Heinrich dachte lange nach, und dann sagte er: «Was mir fehlt, sind nicht Spielsachen, ist nicht ein Luftballon, nicht ein Löwe im Käfig, nicht ein Regiment Soldaten und nicht ein Kaninchen. Was mir fehlt, ist jemand, mit dem ich spielen kann.»

Der König und die Königin waren betrübt und sagten zu dem kleinen Prinzen: «Einen Freund können wir dir nicht schenken, den musst du selber suchen.»
«Ich habe ihn gefunden», sagte Heinrich und lachte zum ersten Mal.

 

Aus: Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 6, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz