Montag, 20. April

Tipps vom Tag

Hören und schauen Sie sich eine Corona-Version des Sechseläuten-Marsches an, zum Beispiel die der United Stay@Home Blasmusig .

Bastle einen Böögg, zum Beispiel mit dem Bastelbogen aus dem Tages Anzeiger.

Gschicht vom Tag

Jetzt nicht

Ein Forscher berichtet aus Peru: Bei den Ausgrabungsarbeiten im Geröll der alten Inka-Stadt waren meine Schuhe bald so zerfetzt, dass ich schliesslich wohl oder übel einen Schuster suchen musste. Ich ritt los und fand am dritten Tag endlich einen. Er sass vor seiner Hütte und liess sich die milde Abendsonne auf den Kopf scheinen. Ich zeigte ihm meine Schuhe, und er betrachtete sie eingehend. Schliesslich meinte er: «Sie sind kaputt.» Darauf entgegnete ich geduldig: «Würden Sie so gut sein und sie mir flicken?»

 

«Einen Augenblick», rief er mit einer leichten Kopfbewegung, ohne sich im geringsten anzustrengen, in seine Hütte hinein, «Alte, wieviel Geld haben wir noch?» Ich hörte, wie es im Hause rumorte, wie eine Schranktüre geöffnet wurde, wie ein Kastendeckel klappte. Und dann vernahm ich das bekannte und beliebte Geräusch des Geldzählens. Endlich kam die Antwort: «Siebzehn Pesos!»

 

Über die bis dahin unbewegliche Miene des Schusters ging ein schmerzliches, bedauerndes Lächeln. Er zuckte die Schultern und sagte mit aller Höflichkeit: «Kommen Sie doch in sechs Wochen noch einmal wieder. Sie werden verstehen, wenn wir noch so viel Geld haben, kann ich jetzt nicht arbeiten.»

 

Aus: Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 4, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz