Sonntag, 29. März

Sunntigsmusig

Matías Lanz (Cembalo) und Alex Jellici (Barockcello) spielen
 G.P. Telemann (1681-1767): Cellosonate D-Dur, TWV 41:D6 - Lento

Gschicht vom Tag

Michael erzählt eine Geschichte

Eines Abends sitzt Michaels kleiner Bruder Christian an seinem Bett und betrachtet ihn nachdenklich: „Sag mal, Michael, glaubst du eigentlich an Gott?“ „Ja“, antworte Michael und packte weiter seine Schultasche für den nächsten Tag. „Aber warum denn? Ich kann Gott nicht sehen! Woher weiss ich dann, dass es ihn wirklich gibt?“ „Das ist eine schwierige Frage!“ Verlegen reibt Michael sich die Nase. „Ich glaube, ich muss erst darüber nachdenken.“ „Okay, sag‘s mir morgen“, grinst Christian.

Am nächsten Morgen wird Michael heftig geschüttelt. „Schnell, wach auf! Los, Michael, Augen auf“, schreit Christian und zerrt seinen Bruder fast aus dem Bett. „Lass mich in Ruhe“, grummelt Michael nur, „ich habe erst um 10 Uhr Schule.“ „Komm schon, ich muss dir etwas zeigen!“

Von einem Bein aufs andere hüpfend wartet Christian bis Michael endlich aufgestanden ist. Kaum hatte er seinen Pulli angezogen, schleppt Christian Michael die Treppe hinunter, raus in den Garten bis zu seinem Sandkasten. Unsere Igel haben Junge bekommen“, sagt Christian wichtig. „Woher weisst du das denn jetzt schon wieder?“ Schlaftrunken reibt Michael sich die Augen. „Guck doch!“ Christian zeigt auf die Sandkiste. Endlich sieht es Michael auch. Neben den normalen Igelspuren, die sie oft in ihrem Sandkasten entdecken, sind ganz kleine, aber ganz eindeutige Spuren von Igeln. „Wie schön“, lacht Michael.

 Plötzlich fällt ihm etwas ein. „Du, Christian, du hast mich doch gestern nach Gott gefragt, nicht?“ „Mmh ja“, brummt er. „Sag mal, du weisst, dass unsere Igel Junge haben. Aber du hast sie doch gar nicht gesehen!“ „Aber, Michael, hier sind doch ihre Spuren.“ „Weisst du, ich glaube, so ähnlich ist es mit Gott. Wir können ihn nicht sehen, aber er hinterlässt Spuren in unserem Leben.“

Nachdenklich sieht Christian Michael an und überlegt. „Ich glaube, ich weiss was du meinst. Wichtig ist aber ebenfalls, dass wir die Spuren auch bemerken.“

 

Verfasser unbekannt