1. Sonntag nach Ostern: Kurzpredigt zu Johannes 20,19 – von Arnold Steiner

Da die Gottesdienste nicht stattfinden, veröffentlichen wir eine Kurzpredigt zum Evangelium des Sonntags

Jesus erscheint als Auferstandener inmitten seiner Jünger.
Gotisches Kirchenfenster der Kathedrale von Strassburg.
Bild: Arnold Steiner

Kurzpredigt zu Johannes 20,19 

=> gelesen und mit Musik untermalt finden Sie diese Kurzpredigt am 19. April (Link

«Es war am Abend eben jenes ersten Wochentages – die Jünger hatten dort, wo sie waren, die Türen aus Furcht vor den Menschen verschlossen – , da kam Jesus und trat in ihre Mitte, und er sagt zu ihnen: Friede sei mit euch!» (Johannesevangelium 20, 19).

Sie hatten die Türen verschlossen aus Furcht vor der Ansteckung durch das Corona-Virus, denkt man gleich. Doch damals, drei Tage nach dem Tod Jesu, hatten die Jünger Angst vor Verfolgern. Denn wenn ihr Anführer als Terrorist hingerichtet wurde, ist die Gefahr sehr gross, dass auch sie verhaftet werden sollen. Sie waren darum verängstigt, bedrückt, wütend und am Verzweifeln.

Von der Isolation zur «consolation»

Heute gebietet die Vorsicht, die strengen Regeln des «Social distancing» einzuhalten. Doch die Isolation kann zu Ärger und Krach, Stress und Depression führen. Wie kann man es denn z. B. in einer kleinen Wohnung aushalten, wenn ein Kind hyperaktiv ist und mit anderen draussen spielen möchte? Wie halten es ältere Menschen aus, die nun ganz alleine sind? Für viele Menschen ist die Isolation eine grosse Herausforderung.

«Da kam Jesus und trat in ihre Mitte.» Was die Jünger erlebten, ist eine Urerfahrung. Mitten in der Isolation spürt man eine starke Gegenwart. Das Herz nimmt wahr, dass jemand da ist, den der Verstand nicht sieht. Man staunt und erschrickt vielleicht, aber dann kommt eine grosse Freude auf. Nach dem biblischen Zeugnis ist diese Präsenz real, auch wenn sie nicht materiell ist. Das ist «con-solation», Trost, im Sinne des Psalmworts: «Du bist bei mir.»

Wo zwei oder drei

Wir erleben etwas davon in der schönen Erfahrung der Gemeinschaft untereinander. «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen», verspricht Jesus. Vielleicht haben wir in den letzten Wochen bei einer Begegnung erlebt, dass wir ganz getröstet waren? Vielleicht hatten wir unverhofft mehr Zeit füreinander und konnten das geniessen? – War da noch ein Dritter unsichtbar gegenwärtig?

Ich in dir, du in mir
 
Es kann auch ein erhebende Einheitserfahrung sein. Plötzlich spüren wir, obwohl wir allein sind: Ich bin Teil von einem grossen Ganzen. Etwas davon können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir still werden und im Rhythmus des Atems beten: «Ich in dir, du in mir».
 
In der Gewissheit der Gegenwart von Jesus, der an Ostern auferstanden ist, können wir ruhig werden, gelassen und ganz froh. Wir werden auch Impulse für unser Handeln empfangen. Und wir werden uns zu anderen hinwenden und sagen: Friede sei mit dir! 

Amen.