3. Sonntag nach Ostern: Kurzpredigt zu Johannes 15,5 – von Vikar Andreas Werder

=> gelesen, mit dem Wochenlied ergänzt und mit Musik untermalt finden Sie diese Kurzpredigt am 3. Mai (Link

«Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.» (Joh 15,5)

Wenn ich gute Freunde wiedersehe, ist es, als wäre seit dem letzten Treffen keine Zeit vergangen – selbst, wenn dies lange her ist. An die paar neuen Runzeln im Gesicht hat man sich schnell gewöhnt. Das Gespräch ist schon bald so angeregt, wie wenn es gar nie unterbrochen gewesen wäre. Abschiede finde ich deshalb nicht so schlimm. Am liebsten würde ich sagen «Tschüss, bis zum nächsten Mal» und fröhlich weggehen. Egal, ob das nächste Mal morgen oder in zwanzig Jahren ist. Aber so leicht ist es dann meist doch nicht. In Johannes 15 ist Jesus dabei, sich zu verabschieden. Während seine Jünger noch nicht begriffen haben, was auf sie zukommt, weiss Jesus schon, dass er bald sterben, nach seinem Tod aber nach kurzer Zeit zurückkommen wird. So sagt er: «Ich gehe weg, und ich komme zu euch zurück.» Und auf die Zeit, in der er wieder da ist, will er seine Jünger vorbereiten. «Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.» Jesus will mit seinen Jüngern so eng verbunden bleiben, wie ein Weinstock verbunden ist mit seinen Trieben (das ist die Bedeutung von Reben). Der Weinstock und die Triebe sind völlig aufeinander angewiesen – ohne den Weinstock können die Triebe nicht wachsen, ohne die Triebe kann der Weinstock keine Früchte tragen. Jesus braucht die Verbindung zu seinen Jüngern, und seine Jünger brauchen die Verbindung zu ihm, damit Jesus und die Jünger gemeinsam auf dieser Welt Frucht bringen können.

Im Gebet verbunden

Um was für eine Frucht geht es? Aus den Trauben wird Wein hergestellt, und dieser soll die Menschen erfreuen. Jesus will also in Verbindung mit seinen Jüngern Freude verbreiten. So sagt er in Vers 11: «Das habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde.» Wie können wir als heutige Jüngerinnen und Jünger mit Jesus verbunden bleiben? Mir kommt eine Aussage von Mutter Theresa in den Sinn: «Die Frucht des Gebets ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist der Dienst. Nur wenn du betest, kannst du den Armen wirklich dienen.» Durchs Gebet verbinden wir uns mit Jesus. Nur in dieser Verbindung können wir den Menschen wirklich dienen.

Zum Abschied eine lustige Geschichte

Die Freude, die dabei entsteht, gibt dem kommenden Sonntag seinen Namen. Bei einem guten Freund färbte diese Freude auch auf den Abschied ab. Während wir auf dem Bahnsteig standen und sich sein Zug gleich in Bewegung setzen sollte, erging er sich nicht in Bedauern, sondern erzählte noch schnell eine lustige Ge- schichte, sodass ich mich auf Abschiede von ihm immer gefreut habe. 

So bete ich: «Herr Jesus, hilf mir, mit dir in Verbindung zu bleiben, sodass ich dich in den Menschen sehe und ihnen Freude bereite. Ich in dir und du in mir. Amen.»