Auffahrt - Kurzpredigt, Lied und Musik mit Vikar Andreas Werder

  • Audio-Datei inklusive Lied "Morgenglanz der Ewigkeit" RG 572 (Link
  • Musik: Matías Lanz spielt:  Georg Friedrich Händel, Orgelkonzert F-Dur, Op. 4/5 – Larghetto


Intermezzi: Nicht nur die Predigt lädt zur Begegnung mit einem Bibeltext ein. Seit dem 10. Mai finden sich in der Dorfkirche zwei Stationen mit Bezug auf den jeweiligen Sonntag im Kirchenjahr.
Diese Intermezzi gehören zur "Temporären Kapelle Dorfkirche" (Link

Kurzpredigt zu Johannes 14,2f. – von Vikar Andreas Werder

Johannes 14, 2f.

"Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wäre es nicht so, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich gegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen"



Liebe Hörerin, lieber Hörer

 

In den letzten Wochen waren wir alle aufgefordert, zuhause zu bleiben. Doch wo ist eigentlich unser Zuhause? Die Weinbergschnecke kann diese Frage leicht beantworten: Sie trägt ihr Haus mit sich. Die Sperlinge haben ihr temporäres Zuhause in diversen Ritzen unseres Dachstocks gefunden. Das Rehkitz hat im hohen Gras sein gefährliches Zuhause. Für manche Menschen ist ein Gebäude das Zuhause, für manche die Familienangehörigen, für manche der Ort, wo es ein gutes Essen gibt, für die meisten von uns die Muttersprache. Manche Menschen fühlen sich bei Freunden oder Freundinnen, bei einer Serie im Internet oder bei einem Verein zu Hause, manche bei einem treuen Haustier und manche hinter der Zeitung.

 

Was machen all diese Dinge zu unserem Zuhause? Ist es die Nähe, die Vertrautheit, das Angenommen-Sein, die Selbstverständlichkeit? Unsere Heimat ist im Himmel, schreibt Paulus den Philippern.

 

Als 12-Jähriger fragte Jesus seine Eltern: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss? Damit meinte er nicht sein Elternhaus in Nazareth, sondern den Tempel in Jerusalem. Zur Samaritanerin am Jakobsbrunnen sagte er später, die Stunde kommt, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem zum Vater beten werdet, sondern in Geist und Wahrheit. Als ihn seine Mutter, seine Brüder und Schwestern einmal sehen wollten, sagte er: Meine Mutter und meine Brüder und Schwestern, das sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln. Auch für Jesus bedeuteten also Orte und Menschen ein Stück Heimat, am meisten jedoch sein Vater. So sagte er: Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. Er hatte nicht vor, bei seinem Vater allein zu sein, sondern freute sich darauf, seine Freunde mitzunehmen: Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten.

 

Die Auffahrt ist der Tag, an dem Jesus nach Hause ging, das feiern wir heute. Er ging, um auch uns eine Heimat zu schaffen. Zu dieser ewigen Heimat sind wir unterwegs, ihr Morgenglanz umstrahlt uns bereits.

 

Wenn wir als Christen aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben, dann können wir dieser Aufforderung in zweierlei Weise nachkommen, denn wir haben eine irdische und eine himmlische Heimat. Wir fühlen uns bei unseren liebsten Menschen, Orten, Dingen und Gewohnheiten zu Hause, aber auch in den liebevollen Armen Gottes, in die wir uns kuscheln wie das Rehkitz ins hohe Gras, wie der kleine Sperling in sein Nest und die Weinbergschnecke in ihr Häuschen.

 

Amen.